„…das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben“


Es gibt ja diese Aussage „das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben“… Damit will man zum Ausdruck bringen, dass man die Gefühle die man während einer Begegnung oder einem Erlebnis empfunden hat, nicht mit Worten beschreiben kann. Jeder Mensch hat da seine ganz eigenen Empfindungen und es gibt keine Garantie, dass die oder der Gegenüber die Begeisterung auch teilen kann. Das ist auch gut so. Wichtig ist es, grundsätzlich Emotionen zuzulassen und sich gegenüber nichts und niemandem zu verschließen. Auch nicht gegenüber 45.000 Flüchtlingen…

Ich durfte das Dzaleka Refugeecamp in Malawi in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal besuchen. Im Januar eröffnete nämlich die „Light of Hope“ Grundschule am Rande des Camps. Weitere 600 Flüchtlingskinder aus dem Camp u.a. aus dem Kongo und aus Burundi, haben seitdem die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und eine gesicherte Mahlzeit pro Tag zu bekommen. Allein diese Tatsache kann man schon als emotional und bewegend ansehen. Allerdings hat die Wirkung des Erlebten vor Ort eine tausendmal stärke Bedeutung.

Dieser Moment in dem man ein Klassenzimmer betritt und einem über 100 Kinder lautstark „welcome“ und „we are happy“ – Hymnen entgegenschmettern ist definitiv nicht mit Worten zu beschreiben. Oder die Tatsache, dass jeder Finger der eigenen Hand für die Zeit im Camp mindestens einem Kind gehört. Auch der Anblick der Kinder, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine saubere und ordentliche Schuluniform tragen dürfen oder deren Blicke, wenn vor ihnen eine Schale prall gefüllt mit Reis, Kraut und Fleisch serviert wird.

Das Gelände der Schule war komplett gefüllt und die Kinder lachten und tanzten zu den Nummer 1 Hits aus Ostafrika. Schwere-, Scham- und Hemmungslos. Hüften wurden bewegt, die Hände flogen in die Luft und hunderte Münder sangen den selben Text. Nach all den Qualen und Strapazen die all diese Kinder durchlebt haben muss ihnen dieser Tag wie der Himmel auf Erden vorgekommen sein.

Die Möglichkeit so etwas hautnah erleben und fotografieren zu dürfen ist definitiv einmalig und wird mein Leben lang zu meinen Highlights gehören. Trotz all der Not und Kriminalität die im Camp herrscht, an diesem Ort an diesem Tag war die Welt ein bisschen mehr heil. Und auch wenn ein Tag später die Realität wieder Einzug im Camp erhielt, für diese Kinder besteht die Chance auf eine hoffnungsvolle und erfolgreiche Zukunft. Denn sie dürfen lernen…

Ich selbst kann auch nur sagen „das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben“, denn ich kann diese Gefühle auch nicht beschreiben. Doch es arbeitet auch jetzt, 2 Wochen später noch in mir.  Voller Vorfreude denke ich heute schon an den nächsten Moment in dem die Kinder realisieren, dass sie Besuch bekommen. Und das sich jemand für sie interessiert… Und vielleicht sagen die Schulkinder ihren Freunden im Camp ja auch „das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben“.

Letztendlich bleiben aber trotzdem noch tausende Kinder übrig. Kinder, die über den Zaun schauen und zusehen müssen. Kinder, die eben nicht in die Schule dürfen und den Tag über im Camp um ihr Überleben kämpfen. Auch wenn es Menschen und Organisationen gibt, die versuchen all das entscheidend zu verbessern, am Ende werden unschuldige Kinder übrig bleiben müssen. Wir alle können das nicht nachempfinden, denn auch hier gilt:

„…das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben…“

5 Kommentare zu „„…das musst Du selbst mal gesehen und erlebt haben““

  1. Hallo Markus,
    puhhh, was für ein Beitrag! Sorry, mir gehen da gerade so viele Gedanken durch den Kopf, das ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal einen Kommentar dazu schreiben werde. Ich will nicht einfach was derher plappern, denn dazu ist dein Beitrag viel zu wertvoll!!!

    Schön wieder von dir zu lesen! Das freut mich!
    Liebe Grüße zu dir entsende,
    Britta

    Gefällt 3 Personen

  2. Deine Worte und die Bilder sind unglaublich bewegend und haben mich zu Tränen gerührt.😢 Wie wunderschön dieser Tag für die Kinder gewesen sein muss. Und es wird sicher ab sofort noch viele davon für sie geben, und vielleicht sehr bald schon mit einem erneuten Besuch für sie. Von Markus. Wundervoll!!!

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  3. Wir können es nicht nachempfinden, aber deine Bilder lassen zumindest etwas Nähe und Empathie für diesen Ort und diese Kinder zu. Das ist die Kraft deiner Bilder, und dafür kann man nur Danke sagen.
    Hoffe dir gehts gut, Markus!

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