In between lines


Wenn es um Shootings mit Menschen geht, schreibt man immer schnell von Superlativen wie beispielsweise „die einzigartige xyz“ oder die „wunderbare zyx“. Auch ich tu das immer mal wieder. Ab und an sollte man sich als Schreiber solcher Worte daher mal Gedanken machen, wie viel Ernsthaftigkeit und wieviel Höflichkeit eigentlich hinter solchen Floskeln steckt.

Neram, ein „wunderbares und einzigartiges“ Model lernte ich über instagram kennen und schätzen. Und dann kam es irgendwann zu dieser Nachricht „hey, lust mal gemeinsam zu shooten?“… Meist folgt darauf ein kurzes „klar, warum nicht!“. Und dann trifft man sich und fotografiert. Klingt eintönig und emotionslos. Ist es manchmal auch. Aber es gibt dann halt auch die Momente, in denen man die Chance hat, den Menschen hinter dem Model ein bisschen näher kennenzulernen.

Ich durfte also zu Neram nach Hause in die eigenen 4 Wände. Doch anstatt gleich loszulegen, redeten wir erstmal miteinander. Es war eine Art beschnuppern und es ging vor allem um das Herausfinden der Erwartungen und Wünschen des jeweiligen Gegenüber. Ganz ohne Plan im Kopf ließen wir uns aufeinander ein und waren uns ohne viel Worte relativ schnell einig, wohin die Reise gehen sollte…

Neram als Mensch und ziemlich ungekünstelt. Es ging darum, sie einfach mal machen zu lassen. An dem Ort, an dem sie zuhause ist. Mit allem was dazu gehört von der Katze bis zur Musik die dezent aus dem Lautsprecher kam. Es war schön zu erleben wie sich ein erfahrenes Model (knapp) jenseits der 30 auf diese Situation einlässt. Und man merkte ihr die weit über 50 Shootings sehr schnell an. Einzig das schwache Licht verhinderte ein Dauerfeuer des Auslösers…

Ich hatte also die Möglichkeit, Neram auf eine bestimmte Art und Weise zu lesen. Wir beobachtenen uns viel und oft und waren innerlich auch irgendwie überrascht zu sehen, wie sehr sich unsere Vorstellungen dann letztendlich deckten. Ich bin mir sehr sicher, dass wir ohne das Gespräch direkt vor dem Shooting und an einer anderen Location einen völlig anderen Stil bzw. Weg eingeschlagen hätten. So hatte ich die Chance, eine authentische Frau vor die Kamera zu bekommen, die weiß was sie tut und was sie will…

Und so schaue ich heute ihren instagram Account (Link) mit anderen Augen an. Denn ich habe das Gefühl, die Neram abseits eines klassischen Fotoshootings kennengelernt zu haben. Und das war eine schöne Erfahrung, denn ich kann nun mit Recht behaupten, dass Neram „einzigartig“ und auch „wunderbar“ ist. Vielen Dank meine Liebe, bis zum nächsten Mal!

27 Kommentare zu „In between lines“

  1. Wow, toll! Eine wunderschöne stille Reihe. Ich ‚kenne‘ die Dame von sehr vielen Betrachtungen 😉 Und wäre durchaus nicht abgeneigt, selbst einmal ein Shooting mit ihr durch zu führen. Besonders gefallen mir in dieser Serie die Bilder mit den weißen Tüchern, das hat etwas sehr geheimnisvolles und spielerisches. Die Bilder wirken irgendwie leise, in-sich-gekehrt, aber vertraut. Und das letzte wirkt verletzlich und zart auf mich.
    Toll, ich weiß, dass sie auch ganz andere Töne kann und mag es sehr, wenn so unterschiedliche Facetten einer Person in verschiedenen Momenten sichtbar werden können. Spannend. 😉 Freut mich!!

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    1. Witzig ist ja, dass wir tatsächlich nur 3 Ortschaften auseinander wohnen 😉 Von daher lohnt sich auch immer ein Besuch bei uns da unten 😉 Wir haben auch tolle Menschen die nur darauf warten, fotografiert zu werden. Bist natürlich IMMER herzlich eingeladen 😉 Danke auch für Dein Lob, das freut mich wie immer sehr!!!

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      1. Hehe, das klingt nach Werbung 😉
        Aber klar, wir sollten einfach mal einen Workshop für uns selbst organsisieren, diese Auseinandersetzung ist doch erfahrungsgemäß sehr befruchtend. Und Models hast du ja genug um dich herum …
        Und diese Frau beeindruckt, weil sie sehr vielseitig unterwegs ist. Du hast sie schon wieder ganz anders fotografiert, als ich sie sonst oft entdecke. Sehr facettenreich, wäre sicher spannend, wie ich sie fotografieren würde.
        Dir einen guten Tag und vor allem: warme Füße! Daran mangelt es mir hier oben gerade 😀

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      2. Absolut! Ich finde es spannend das so viel Rückmeldung kommt was sie und ihren Ausdruck auf meinen Bildern angeht. Ich persönlich bin da stolz drauf… Ist ja spannend sie mal ganz anders zu zeigen (auch wenn mir das gar nicht soooo aufgefallen ist) 😉 Und was die Füße angeht, ich bin da recht gut gepolstert, aber das ist wohl so ein Mann-Frau Ding ;-))))

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      3. 😄😄 wer weiß! Deshalb auch die Chucks im Winter. War das nicht so??

        Ja, sei stolz drauf. Die Bilder wirken sehr natürlich, wenig gespielt oder inszeniert. Das unterscheidet sie vielleicht ein wenig, ich kenne auch andere Bilder von ihr. Hier wirkt sie eher leise und unverstellt, verletzlich. Sehr schön.
        Fällt offenbar auf 😉

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      4. Früher, als ich noch jung und frisch war, gab es nur 2 Paar Schuhe fürs ganze Jahr, FlipFlops oder Chucks… ;-))) Heute sieht das anders aus, die Schmerzen sind üüüüberall 😉

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  2. Was für eine schöne Geschichte auch hinter den Kulissen. Einfach wunderschön menschlich. Das liebe ich am Fotografieren, dass zwischenmenschlich viel passiert. Toll.
    Gleich der Opener in der Serie ist ne echte Ansage. Klasse. Bin entzückt. …ja, klar, und dann geht es auf einem 1A-Niveau weiter. Nah, bewusst und voller ruhiger Kraft.
    Auch der Zwischenteil in Weiß finde ich sehe, sehr schön. Es schafft einen ganz anderen Raum und Blickwinkel.
    Alles mal wieder super gelungen, mein Lieber. Eine super Serie in Wort und Bild, die absolut Lust macht sich auch in solche Fotoabenteuer zu stürzen. 😁👍🏼

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    1. Ich danke Dir! Es ist mal wieder eher düster und traurig was die Ergebnisse angeht, aber das ist halt doch meins und dabei bleibt es auch erstmal. Ich fühle mich so am wohlsten und hey, meine Spielwiese, meine Regeln ;-)) Schön wenn Dir das zusagt, das bedeutet mir ne Menge!! Hau rein und komm gut in die Woche!!

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      1. genau so ist es… …mein Tanzbereich… …dein Tanzbereich. Richtig so. Keiner sagt dir wie du dich auszutoben hast.
        Ich finde es übrigens gar nicht düster. Es ist intensiv! Frage mich manchmal auch, ob meine Bilder düster wirken…. ….weil von denen finde ich viele auch gar nicht düster. Habe mehr das Gefühl ich möchte, dass möglichst viel von der Geschichte abfällt, die nicht ins Foto gehört. Ich empfinde es als definierter… …ohne Ballast. So auch hier!!!

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      2. Ich glaube das Wort „düster“ hat für viele Menschen total unterschiedliche Bedeutung. Ich seh das ausschließlich positiv weil stimmungsgeladen… Für mich sind Deine Bilder so faszinierend weil sie für mich „düster“ sind. Auf eine absolut (mich) ansprechende Art und Weise!!

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  3. also ich finde diese Fotos zum Teil super ( Bild Nr. 1 ) aber auch manche zu verkrampft und sehr nachdenklich. Vielleicht war das aber auch das Ziel, kann ich nicht beurteilen !. Man muss nicht immer lachen und fröhlich sein wenn einem vielleicht gar nicht so zumute ist ! Sehr schön natürlich das einbringen der weißen Tücher ! Also du warst anwesend und wirst am besten wissen was das Ziel war !!!!

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    1. Danke! Und ja, es war schon das Ziel nicht direkt in die Kamera zu schauen und nicht bewusst zu lächeln… Ich hab mich auf die Situation und auf Maren eingelassen und andersherum genauso. Das sind die Ergebnisse, unverfälscht und real 😉 Aber klar, das wirkt auf den einen so, auf die andere so. Geschmacksache halt…

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  4. wow – es wirkt, als wären das zwei völlig unterschiedliche personen – die neram von ihrem instagram account und die, die du vor die linse bekommen hast. toll, dass ihr euch rahmen und zeit so genommen habt. das mit den superlativen fällt mir auch immer wieder unangenehm auf. vor allem frage ich mich, ob das nicht gewissermaßen oft eine sehr unpersönliche art und weise ist, die eben – wie du schreibst – auch oft durch die höflichkeit zustande kommt, weil man natürlich seinen models (und kunden) auf jeden fall auch im nachhinein ein gutes gefühl geben will.
    aber wenn ich mir für 2019 was wünschen darf von deinem blog, dann mehr solche begegnungen und mehr solche texte über das dahinter 🙂

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  5. Dein Spiel mit der Schärfentiefe fasziniert mich immer wieder. Du zauberst superschöne Portraits mit deiner Kamera. Ich glaube, die authentischsten Bilder entstehen dann, wenn man sich Zeit nimmt, den Menschen kennenzulernen, bevor man ihn ablichtet.
    Ich persönlich mag am liebsten ungekünstelte/nicht inszenierte Posen, aber das ist natürlich Geschmacksache…

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  6. Es ist immer ein tolles Erlebnis, wenn man einen Menschen vor der Kamera nur machen lassen muss und schöne, intensive Momente einfangen kann.
    Gerade der erste Block an s/w Fotos ist wieder sehr gelungen. Tolle Fotos!

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