A place to be: Berlin – old & lost


Wenn man in eine fremde Stadt reist, sollte man sich zuvor einen Plan machen. Ein Auflistung der Ziele und vielleicht eine kleine Übersicht mit den möglichen Wegen die dorthin führen. Anders kann ein Tagestrip nicht wirklich sinnvoll gestaltet werden. Die Zeit ist zu wertvoll um sie aufgrund von Umwegen zu verschwenden. Wir sind in Berlin vielen Menschen und Dingen begegnet. Vom Gefühl her hatte nicht jeder und alles einen solchen Plan…

Im Normalfall bin ich auch eher unstrukturiert wenn es darum geht, eine Stadt zu erkunden. Aber nur dann, wenn kein Zeitdruck herrscht. Als Einwohner einer Stadt hat man eher keinen Zeitdruck. Man lebt ja sowieso hier. Und doch gibt es Menschen die vor sich hin irren und Dinge die in Vergessenheit geraten und vor sich hinvegetieren.

Gerade im Osten (ich hab das auch in Leipzig erleben dürfen) gibt es alte und verfallene Stellen wie Sand am Meer. Gebäude die unbewohnt, zerstört und bemalt sind. Die sogenannten Lost Places. In nahezu jeder Großstadt gibt es auch Menschen die zerstört und planlos umherziehen. Und Künstler (leider auch Schmierfinken) die sich an Mauern und Wänden verewigen. An all diesen Aufzählungen geht die Zeit nicht spurlos vorbei…

Menschen kommen und gehen, gerade in diesen Zeiten… Gebäude werden irgendwann doch abgerissen und zurück bleibt noch die ein oder andere Erinnerung. Graffitis werden übermalt oder überklebt und Sprayer suchen sich neue Wände. Alles vergeht irgendwie, in einer Stadt ist das noch deutlicher sichtbar.

Ähnlich verhält es sich mit der Geschichte von Berlin. Teile der Mauer stehen noch, aber meine Generation wird eine der letzten sein, die den Mauerfall noch vor dem Fernseher live erlebt hat. Die folgenden Generationen haben dazu noch deutlich weniger Bezug, wie ich damals im Kindesalter. Im Geschichtsunterricht wird diese Zeit noch eine Rolle spielen, vergessen wird all das aber trotzdem noch viel schneller als früher.

Manni hat mich in Berlin auf ein Thema angesprochen das eigentlich ganz gut zu diesem Beitrag passt. In 100 Jahren werden die Menschen nur noch mit gesenktem Kopf gehen können. Werden mit gesenktem Kopf auf die Welt kommen. Die Evolution verändert sich und passt sich ans Handy-Zeitalter an. So (oder so ähnlich) waren seine Worte. Und so verdreht ist das gar nicht. Menschen verlieren sich in dieser Welt auf dem Display. Ich kann mich da (leider) nicht ausschließen. Ein Glück das ich noch die Zeit erlebt habe, in der es keine Smartphones gab…

An einem Ort an dem es viele Menschen gibt kann man immer etwas Verlorenes, Einsames und Vergängliches finden. So ist der Lauf der Zeit und die dazugehörigen Umstände. Selten war das mehr sichtbar als in den Stunden die wir in Berlin verbringen konnten. Und trotzdem liegt auch mein Handy in diesem Moment nur 20cm von mir entfernt. Immer griffbereit. Und auch die Faszination Lost Place lebt weiter. Auch dann wenn es Menschen gibt, die mit diesen Orten eine gute Zeit verbinden und vielleicht nicht vergessen können…

34 Kommentare zu “A place to be: Berlin – old & lost”

  1. puh Glück gehabt ! Ich wollte heute meinen Beitrag Lost Place in Berlin veröffentlichen. Gut dass ich es nicht gemacht habe !
    Hast du super dargestellt und mit der Prognose in „hundert Jahren“ halte ich fest !!!

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  2. ich bin zwar vor dem mauerfall geboren, habe aber keine erinnerung an diese zeit bzw. an das mediale ereignis, weil ich einfach noch zu jung war. trotzdem hat mich berlin sehr ehrfurchtsvoll werden lassen. in dieser stadt ist die geschichte an jedem eck irgendwie präsent, obwohl dazwischen die gegenwart pulsiert. der hauptgrund, warum sie mich so fasziniert hat. deine bilder fangen das wirklich grandios ein!

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    1. Dankeschön! Ich denke es liegt auch nicht immer am Alter sondern eher am Empfinden und am Interesse der jeweiligen Person. Fingerspitzengefühl und Feinfühligkeit gehören da auch dazu. Ignorieren und vergessen geht aber nicht und das könnte bei unserer Jugend evtl. zu Problem werden…

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  3. Hallo Markus, jetzt hatte ich einen ellenlangen Komentar zu deiner Huldigung geschrieben und was passiert? Der Kommentar verschwindet irgendwo auf dem Weg zu deinem Blog. (Das nächste Mal schreibe ich dir eine Postkarte :-)… )

    Aber noch mal Zusammenfassend:
    Ich bin sehr begeistert von diesem Teil der Serie, von Bildern als auch vom Text. Und ich bin auch noch so „ein alter Sack“, der sich an die Ereignisse von damals erinnert. Mauer, DDR, Honecker als Arschloch, Mauerschützen, Mauerfall und Wiedervereinigung.

    Viele Grüße Jürgen

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  4. Ein ganz intensiver Bericht und beim lesen und schauen deiner einmaligen sw Fotos, sind auch bei mir die Erinnerungen lebendig geworden. Die Stadt ist voll von Geschichte und das fasziniert mich. Den Mauerfall habe ich weinend vor Glück vor dem Fernseher erlebt und meinen Kindern habe ich beim Besuch von Berlin viel davon erzählt
    LG Andrea

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  5. Hey Markus! Tolle Worte zu tollen Bildern. Schwarz-weiß wird langsam zur Sucht, oder? 😉 Die Generation Handy is so ne Sache, wobei wir uns da auch ein bisschen an die eigne Nase fassen sollten und ab und zu mal das Handy beiseite legen könnten. Gute Gespräche und Momente hält man doch eben nicht am Handy fest! 😉

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    1. Vielen Dank!! Das ist ja das Problem, wer im Glashaus sitzt… ;-)) Aber ich hab noch ein reines Gewissen weil es mal anders war. Damals mit Anfang 20 konnt ich nämlich sehr gut ohne Smartphone leben. Inzwischen gehört es dazu wie die tägliche Kleidung. Naja, mal schauen wo das enden wird 😉

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  6. Ich war gerade nach Berlin gezogen als die Mauer fiel, stand tanzend mit drauf. Und heute fragen mich meine Kinder, wo die Mauer stand. Meine Lieblingsberlinserie bisher, vielleicht wegen des verloren, einsam, Vergänglichen. Und deinen klugen Gedanken dazu. Merci.

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  7. „Gerade im Osten (ich hab das auch in Leipzig erleben dürfen) gibt es alte und verfallene Stellen wie Sand am Meer.“
    Ha, ha, ha…warst lange nicht mehr im Osten, oder…? GRINS. Sollest du ändern…😉😎

    Deine Bilder finde ich toll. Sehr schöne Motive. Ich mag ja das Unvollkommene…Gebrauchte…Abgewetzte…Die Dänen haben so eine entspannte Art, alte Dinge zu restaurieren…behutsam…Bei uns Deutschen beginnt sofort alles zu glänzen, wenn wir aus „Alt“ etwas „Neues“ machen…muss man mögen…😉.

    Ich mag es, wenn ich mich in einer fremden Stadt auch mal treiben lassen kann…da verirrt man sich manchmal an interessante Orte. Welche Orte sehenswert sind, ist ja Geschmacksache…und muss nicht unbedingt in jedem Fall mit der Meinung eines Reiseführers übereinstimmen…😉

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    1. Ach du, das war letztes Jahr 😉 Sooo lang ist das doch nicht, oder? Wir haben damals an 2 Tagen 3 mega Lost Places besucht. Da bin ich davon ausgegangen, dass das so weiter gehen könnte 😉

      Am schönsten gefällt mir Dein letzter Satz sehr gut. Den hätte ich eigentlich auch schreiben können, dann wär der Rest vom Text unnötig gewesen 😉 Vielen Dank für Deine Worte und Dir einen schönen Tag!!

      Und ja, es wird Zeit 😉

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  8. Ich glaube nicht, dass die Evolution so schnell ist. Nicht schneller als die technische Entwicklung. Und Smartphones sind ja schon fast wieder out … 😜🙈

    Das letzte Foto ist interessant. Mit Spiegelung – schick! Oder erkenne ich das falsch?

    Gruss, Annett

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    1. Echt? Also in meinem Umfeld werden sie immer größer und bunter ;-)) Wir wartens mal ab, aber schön das Du das optimistisch siehst 😉 Solche Menschen brauchen wir!!

      Ja, die Angie ist wirklich zum Opfer einer Spiegelung geworden 😉 War eigentlich nicht der Plan, aber aufgrund des straffen Programms war ich gar nicht in der Lage, mich darum zu kümmern 😉 Aber ich mag es so eigentlich sehr, ein bisschen verwirrend… 😉

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  9. Ich finde es total wichtig sich bei einer Stadttour auch ein wenig vorzubereiten, wenn man vor hat möglichst viel sinnvoll abzudecken. Natürlich ist es auch schön wenn man sagen kann, dass man sich hat einfach nur wunderbar treiben lassen und und zufällig auf beeindruckende Motive getroffen ist. Klar ist das schön, aber ich habe auch festgestellt, dass ein wenig in z.B. ‚Streetview‘ schnüffeln einem auch so manchen Abstecher ersparen kann, weil (und das ist mir vor drei Wochen passiert) man an das Objekt der Begierde gar nicht rankommt, um es sinnvoll abzulichten, weil es in dem Fall in einem Sperrgebiet lag. Zum anderen habe ich bei Schnüffeln in Karten aber auch so manchen coolen Ort aufgetan, an den ich sonst nieee hingekommen wäre.

    Schön, dass du dich mit deinen Fotos in dieser Serie einem Thema widmest, dass mich auch sehr fasziniert. Eine wirklich mal wieder in Menge und Qualität super hochwertige und begeisternde Serie von Bildern, die eine sehr tolle Essenz einer Stadt darstellen, wie sie eben auch sein kann. Beim letzten Bild finde ich es spannend, wie einem vorgegaukelt wird, dass die Reihe von Häusern sich hinter dem Plakat quasi halb transparent fortsetzt, Mutti fröhlich lächelt und man irgendwie ein wenig den Überblick zu Positionen, Größe und Transparenz verliert. Witzig.

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    1. Irgendwie schein ich ja mit dem Mutti-Bild was getroffen zu haben 😉 Ich finds spannend, auch in Bezug auf die Wahl und die aktuelle Lage der Nation. Spannend! 😉 Ansonsten dank ich Dir wie immer für Deine lobenenden Worte! Die Idee mit Streetview kam mir auch noch nie in den Sinn, liegt doch eigentlich sooo nahe 😉

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